Normalerweise werden staatliche Interventionen am Forex Markt als schlechte Idee angesehen. Allerdings zeigte diese Woche, dass es nicht grundsätzlich eine schlechte Idee sein muss. Am Montag richteten die verbalen Warnschüsse der osteuropäischen Länder jedenfalls keinen Schaden an. Der Nutzen fiel allerdings auch nicht gerade hoch aus. Und Japan überlegt derzeit, ob sie nicht so viel Dollar aufkaufen könnten, um die eigene Landeswährung zu stützen und der japanischen Konjunktur eine Entlastung zu bieten.
Die große „eiserne Lady“, Margaret Thatcher, sagte einmal, dass man sich den Märkten nicht widersetzen könne. Mit dieser Einschätzung lag die ehemalige Premierministerin richtig. Ihr eigener Abstieg wurde durch das Kursdebakel des Britischen Pfund Sterlings eingeleitet. Manchmal allerdings reagieren auch die Märkte schlecht, was Regierungen zur Intervention auf dem Forex Markt bewegen könnte.
Leider hat sich aber in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Eingriffe auf den Devisenmarkt zwar durchaus gut gemeint waren, aber sich immer wieder als schlecht für den Markt erwiesen haben. Beispiel Russland: Die Eingriffe des russischen Staates zur Stabilisierung des Rubels seit dem letzten Jahr, waren alle samt zum Scheitern verurteilt. Wichtigste Einnahmequellen Russlands sind die Erlöse aus der Öl- und Gasproduktion. Seit Mitte des letzten Jahres erleben wir einen kontinuierlichen Verfall der Öl- und Gaspreise. Dem russischen Rubel allerdings blieb nichts anderes übrig, als diese für Russland schlechte Entwicklung abzubilden. Der Staat reagierte mit Eingriffen zu Gunsten des Rubels, doch die Maßnahmen verpufften weitgehend und verbrauchten über ein Viertel der russischen Devisenreserve. Offiziell wurden die Eingriffe damit begründet, dass nur so eine dramatische Abwertung des Rubels verhindert werden könne.
Richtig durchgeführt, kann diese Art der Intervention trotzdem von großer Wirkung sein. Zum Beginn der aktuellen Handelswoche, gestanden die nationalen Notenbanken der osteuropäischen Länder Polen, Ungarn, Tschechien und Rumänien ein, dass gegenwärtig ihre Landeswährung sehr tief gefallen seien. Die Zentralbanker aber erklärten im gleichen Zug, dass sie gewillt sind, alles zu unternehmen, um den weiteren Verfall zu stoppen. Das Ergebnis dieser ehrlichen Aussagen war, dass bis zum Ende des Handelstages diese vier Währungen eine knapp dreiprozentige Kurs-Rallye vollführten.
Analysten gehen allerdings davon aus, dass die Zuwächse nur von kurzer Dauer sein dürften. Marktbeobachter sind sich aber sicher, dass die Kurs-Rallye dazu beigetragen hat, dass Devisenspekulanten mit ihren Wetten auf die jeweilige Landeswährung so viel Kapital verloren haben und nun ihre Spekulationen wieder zurückfahren. Für die betroffenen Länder bedeutet das, dass die nun anstehenden und notwendigen Anpassungen weniger heftig ausfallen als zunächst befürchtet.
Japan geht einen anderen Weg um seine Währung zu stützen. In der Vergangenheit war der Japanische Yen eine Art Prügelknabe für jedermann. Das heißt, findige Investoren verschuldeten sich mit Yen, zahlten dafür aber nur minimale Zinsen. Das so geliehene Kapital legten sie in höher rentierende Anlagen in anderen Währungen an. Am Forex Markt werden solche Transaktionen „Carry Trades“ genannt. Die Folge der Carry Trades war, dass der Japanische Yen immer mehr an Wert verlor.
Im Sommer 2007 änderte sich jedoch die Situation. Es entstand ein entgegengesetzter Kapitalstrom. Die Anleger flüchteten regelrecht aus den riskanten und hoch verzinslichen Investitionen und leiteten das Kapital wieder in den Yen-Raum zurück. Der Wert der japanischen Landeswährung stieg schlagartig an und erreichte mehrere Höchststände. Die negative Folge war, dass der japanische Export und das konjunkturelle Wachstum Japans einknickten.
In den letzten Wochen konnte man auf dem Forex Markt beobachten, dass sich der Japanische Yen langsam wieder abschwächt. Der japanischen Regierung kommt diese Entwicklung nicht ungelegen in ihrem Kampf gegen die einbrechende Wirtschaft. Schon gibt es Überlegungen, sich mit amerikanischen Staatsanleihen einzudecken. Zum einen würde dies dem wichtigsten Exportpartner Japans helfen, da die Regierung in Washington so ihre massiven Ausgaben finanzieren und die amerikanischen Hypothekenzinsen drücken könnte. Japan würde dadurch profitieren, dass sich der wichtigste Exportmarkt Japans erholen würde, was wiederum dem Export und dem konjunkturellen Wachstum zu Gute kommen würde. Für Japan stellt diese Intervention am Forex Markt eine attraktive Möglichkeit dar, frei nach dem Motto: Man widersetzt sich nicht dem Markt, sondern stößt ihn dahin, wohin man ihn gerne haben möchte.

