Sollte die EZB die Zinsen noch weiter senken?

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Sollte die EZB die Zinsen noch weiter senken?

Beitragvon Llaiird » 05.02.2009, 12:24

In den letzten Tagen lagen die Werte für die europäische Gemeinschaftswährung im Bereich des Allzeittiefs des letzten Jahres. In diesem Zusammenhang deutet der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, an, dass die Zentralbank gedenkt, erst mal eine Zinssenkungspause einzulegen. Die Inflationsgefahr ist im europäischen Währungsraum auf einem Rekordtief, die Geldmenge sinkt faktisch und die Statistiken weisen eine Rückläufigkeit in der Kreditvergabe aus. Würde es also dem Euroraum nicht gerade in dieser Situation gut tun, wenn die Zentralbank die europäischen Leitzinsen weiter senkt?

Die Europäische Zentralbank hat diese Woche beschlossen, zunächst einmal eine Zinssenkungspause einzuschieben. Erst im Januar senkte die Zentralbank die europäischen Leitzinsen um 50 Basispunkte auf aktuell 2,00 Prozent. Marktbeobachter gehen erst im März von einer erneuten Leitzinsentscheidung zugunsten einer Zinssenkung aus. Doch zur Zeit verfinstern sich die Geld- und Kreditdaten im Euroraum immer mehr. Könnten sie die Europäische Zentralbank aus der Reserve locken?

Im Juli 2008 erreichte die Inflationsrate in der Eurozone das Rekordniveau von vier Prozent. Nach dem Absturz der Öl- und Rohstoffpreise droht nun die reale Gefahr der Deflation in Europa. Zwar hat die Europäische Zentralbank ihr Inflationsziel bei knapp unter zwei Prozent gesteckt, doch nach Schätzung der europäischen Statistiker liegt die Preisniveausteigerungsrate im Januar 2009 bei ungefähr 1,1 Prozent. Dieser Wert drückt nicht nur den rapiden Preisverfall der Öl- und Rohstoffpreise aus, sondern spiegelt auch das mangelnde Vertrauen der Verbraucher und den Rückgang der Industrieproduktion im Euroraum aus.

Die Aussichten für den Geld- und Kreditmarkt bleiben für die erste Jahreshälfte düster. Die weitgefasst Geldmenge M3 schrumpfte in den letzten beiden Monaten des Jahres 2008. Und das obwohl die Europäische Zentralbank alles daran setzte, die Liquidität der europäischen Banken zu erhöhen. Doch die Banken halten sind immer noch aus Unsicherheit zurück. Im Dezember 2008 war die Kreditvergabe an Unternehmen absolut gemessen rückläufig. Ein ähnliches Bild zeichnet sich für Konsumkredite der Verbraucher in den Monaten November und Dezember ab.

Mit Beunruhigung registrieren viele Marktbeobachter und Marktteilnehmer, dass die bisher immer verneinte Kreditklemme sowie deflationäre Tendenzen die europäische Wirtschaft fest im Griff haben. Rein rechnerisch wächst die Geldmenge M3 pro Jahr immer noch um 7,3 Prozent. Einst strebte die Europäische Zentralbank eine Geldvermehrung von maximal 4,5 Prozent an. Doch die statistischen Erhebungen zeigen, dass die Geschwindigkeit des Sinkens des Geldangebots zunimmt. Das lässt nur einen Schluss zu: Für private Konsumenten und Unternehmen wird es immer schwierig Kreditgeber im Euroraum zu finden.

Die Deflation erschwert die Arbeit der Notenbanker zusätzlich zu anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise. Während eine Inflation negativ werden kann, können das die Zinsen der Notenbank nicht. Das bedeutet, dass der Realwert von Krediten steigen könnte, wenn die dagegen die Preise und die Einkommen sinken. Deshalb ist es Ziel der Europäischen Zentralbank, eine positive Inflation mit einer geringen Teuerungsrate anzustreben.

Doch um dieses Ziel zu erreichen, müsste sich die Notenbank dazu entschließen, die Leitzinsen für den Euroraum zu senken. Dabei steht der Europäischen Zentralbank gegenwärtig noch weniger Spielraum als der US Notenbank Federal Reserve zur Verfügung. Die Fed kann der amerikanischen Wirtschaft noch mit unkonventionellen politischen Aktionen zur Seite springen. Die europäischen Zentralbanker haben solche Freiheiten nicht. Das heißt für die Notenbanker eigentlich, dass sie ihr konventionelles Zinsinstrument noch aggressiver einsetzen müssten als bisher. Doch die Realität zeichnet ein anderes Bild. Die Bekämpfung einer drohenden Deflation ruft eigentlich nicht nach einer Zinssenkungspause, wie sie Trichet durchblicken ließ. Im Gegenteil.
Llaiird
 
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