In den vergangenen Wochen ist der Wert des Dollars gegenüber dem Euro und dem Britischen Pfund Sterling kontinuierlich gestiegen. Analysten rechnen die Wertsteigerung der konsequenten Krisenbekämpfung der amerikanischen Regierung zu. Doch bei einem genaueren hinsehen, könnte der Erfolg nur von kurzer Dauer sein. Doch langfristig gesehen, provozieren die staatlichen Maßnahmen die Inflation und damit den Wertverfall des Dollars.
Der Kursverlauf von Währungen wird von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Daher ist der Handel am Forex-Markt wesentlich hektischer und teilweise komplizierter als der Aktienmarkt. Internationale Handelsströme, Nachfrage nach Aktien und Renten, Investitionen ins Ausland oder aus dem Ausland, internationale Wachstums- und Zinsdifferenzen – das alles beeinflusst die Wechselkurse beim Handel mit Devisen.
Zum Jahreswechsel gab es verschiedene Gründe dafür, dass der Dollar gegenüber den anderen Hauptwährungen an Wert verlieren müsste. Stärker als andere Volkswirtschaften leidet die amerikanische Konjunktur an der Immobilien- und Finanzkrise. Niedrige Zinsen und der Vertrauensverlust der Konsumenten und Unternehmer in die eigene Wirtschaft setzten den Dollar zusätzlich unter Druck. Vieles sprach dafür, dass der Greenback vor allem gegen den Euro verlieren würde. Ökonomen sind sich weitgehend einig, dass die europäische Wirtschaft insgesamt besser gewappnet ist, der Krise zu begegnen als es die amerikanische ist.
Die Entwicklungen der vergangenen Tage und Wochen zeigten jedoch ein anderes Bild. Statt gegenüber dem Euro zu verlieren, verlor der Dollar massiv an Wert gegenüber dem Japanischen Yen. Gleichzeitig Gewann die amerikanische Landeswährung vor allem gegenüber dem schwachen Britischen Pfund Sterling und gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung.
Als Begründung für die Entwicklung der vergangenen Tage weisen Marktbeobachter auf die ausgeprägten Zinsdifferenzen zwischen den Ländern hin. Gegen Ende des letzten Jahres verlor der Dollar vor allem vor dem Hintergrund der amerikanischen Leitzinssenkung durch die Federal Reserve an Wert. Mittlerweile hat das amerikanische Leitzinsniveau jedoch einen Wert erreicht, der kaum noch unterschritten werden kann. Ganz im Gegensatz zum europäischen Währungsraum. Dieser Zustand setzt vor allem den Euro unter Verkaufsdruck. Ein ähnliches Bild lässt sich für das Britische Pfund Sterling zeichnen.
Die letzten Kurssteigerungen des Dollars führen Analysten nicht zuletzt auf die beherzten Schritte der amerikanischen Regierung zurück. Kritiker jedoch bewerten die einzelnen Schritte jedoch kritisch, da die ergriffenen und noch zu ergreifenden Maßnahmen mittel- und langfristig eher fraglich erscheinen. Die derzeitigen Maßnahmen werden daher eher als kurzfristige Schritte angesehen, die die Konjunktur wieder Schwung bringen soll. Entsprechend positiv reagieren die Märkte. Im Gegensatz zu Europa: Viele Regierungen zögern dagegen und äußern zum Teil berechtigte ordnungspolitische Bedenken. Ihr handeln ist eher mittel- bis langfristig orientiert, was in Zeiten der Krise nicht gerade populär wirkt.
Volkswirtschaftler sehen die Maßnahmen der USA mit gemischten Gefühlen. Zwar versprach der neue Finanzminister einen starken Dollar. Das mag zwar auf kurze Sicht erfolgversprechend sein, doch die Investoren fürchten, dass die Rettungspakete der amerikanischen Regierung die Inflation befeuern könnte. Sobald erste Zweifel an den Märkten über die Wirksamkeit der wirtschaftspolitischen Maßnahmen aufkommt, könnten sich die Anleger in andere Währungen zu Lasten des Dollar flüchten.
Und das könnte schneller passieren, als der US Regierung und allen voran dem neuen Finanzminister der USA lieb sein könnte. Analysten warnen bereits vor einer allzu massiven Spekulation gegen den Euro. Bisher hat sich eine langfristige und solide Ordnungspolitik, wie sie derzeit in der europäischen Währungszone betrieben wird, immer bezahlt gemacht. Auf kurze Sicht gesehen, kann eine solche Ordnungspolitik auch belastend wirken, vor allem an den Forex-Märkten, da diese traditionell nur über einen sehr kurzen Anlagehorizont verfügen.

